Unternehmenskrisen & die unsichtbare Gefahr

Unternehmenskrisen & die unsichtbare Gefahr

Rainer Kratzmann
von Rainer Kratzmann

Wie selektive Wahrnehmung Unternehmenskrisen verursachen kann

Das beste Mittel gegen eine Krise ist, erst gar nicht hineinzugeraten.

Was sich wie eine Binsenweisheit anhört, ist im Grunde genommen verhältnismäßig einfach. Dafür braucht es „nur“ etwas mehr Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit, sich selbst und der Situation gegenüber. Genau das ist im Tagesgeschäft jedoch eine echte Herausforderung. Denn mit der selektiven Wahrnehmung stellen wir uns unbewusst wie auch bewusst selbst ein Bein.

Die Tücke der selektiven Wahrnehmung

Selektive Wahrnehmung ist ein natürlicher Prozess, bei dem unser Gehirn Informationen filtert und nur das wahrnimmt, was unseren bestehenden Überzeugungen und Vorurteilen entspricht.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben Sie selektive Wahrnehmung bereits unzählige Male erlebt. Hier eine typische Situation:


Sie sind mit dem Auto auf dem Weg zu einem wichtigen Termin und bereits spät dran. In einem solchen Moment scheinen alle Ampeln für Sie auf Rot zu stehen.

Was passiert in solchen Situationen: Ihr Geist fokussiert sich jetzt besonders auf diese roten Ampeln, da Sie zeitlich unter Druck stehen. Dass Sie gerade über drei grüne Ampeln gefahren sind, wird einfach ignoriert.


Wussten Sie, dass das das Gehirn unnötige Informationen automatisch ignoriert?

Genau wie das zweite „das“ im ersten Satz.

Die unsichtbaren Risiken

So wie im Beispiel die grünen Ampeln übersehen werden, laufen wir Gefahr, Veränderungen im Marktumfeld zu übersehen.

Dieser Prozess, bei dem nur die Informationen durchkommen, die wir bevorzugen bzw. auf die wir uns gerade ausrichten, macht uns auch anfällig für (Selbst-)Manipulation. Die Folge:

Wenn wir beispielsweise persönlich von einem neuen Produkt / einer neuen Leistung absolut überzeugt sind, „überhören“ wir (berechtigte) Einwände oder blenden sie komplett aus.

Auch wenn ich mich hier wiederhole: Diese Prozesse laufen unbewusst ab und entziehen sich damit zuerst einmal unserer Einflussnahme.

Sehend der Unternehmenskrise entgegen

Neben der unbewussten selektiven Wahrnehmung gibt es auch eine bewusste Form.

Hierbei werden die ersten Krisensignale und Warnhinweise bewusst ignoriert und der Fokus auf eine erhoffte zukünftige Geschäftsentwicklung gerichtet. Beispielhafte Formulierungen könnten sein:

  • „Wir brauchen nur einen neuen Kunden, und darauf wollen wir uns jetzt konzentrieren.“
  • „Wenn der Müller den Auftrag unterschreibt, dann hat sich das Problem von selbst erledigt.“

Ich weiß: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Allerdings ist diese Ignoranz in zweifacher Hinsicht gefährlich.

  1. Sie basiert oft auf wenn-dann-Beziehungen, die in der Regel nur begrenzt beeinflussbar sind.


  2. Es passiert zunächst einmal nichts Schlimmes, die Folge der Ignoranz bleibt vorerst ohne eine gravierende Veränderung der aktuellen Situation. Genau diese gravierende Veränderung bräuchten wir aber, um aufzuwachen! Wie ich in meinem Artikel „Geschäftsmodelle und die Lehre vom Frosch“ beschrieben habe, kommen wir ohne „Schmerzen“ meist nicht ins Handeln.

5 Wege zur Überwindung selektiver Wahrnehmung

Ein wichtiger Schritt besteht darin, sich bewusst zu machen, dass selektive Wahrnehmung existiert und wie sie sich auf Entscheidungen und Wahrnehmung auswirken kann. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, selektive Wahrnehmung auch ohne Schmerzen zu überwinden. Hier finden Sie Möglichkeiten:

Selbstreflexion: schaffen Sie Bewusstsein



Während Achtsamkeit darauf abzielt, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein, konzentriert sich Selbstreflexion darauf, sich selbst und sein Verhalten zu analysieren. Sie hilft Ihnen zu erkennen, ob und wie eigenen Vorurteile, Annahmen oder Überzeugungen Ihre Wahrnehmung beeinflussen. 

Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und sorgen Sie für ein ruhiges und ungestörtes Umfeld. Stellen Sie sich selbst Fragen wie zum Beispiel: Warum habe ich so gehandelt bzw. entschieden?
Und seien Sie ehrlich zu sich selbst.


Andere Perspektiven einbeziehen



Fragen Sie aktiv nach Feedback und Input von Mitarbeitern, Kunden, guten Freuden, Branchenexperten etc. So erweitern Sie Ihre Sichtweise und identifizieren blinde Flecken.


Informationen kritisch analysieren



Analysieren Sie die verfügbaren Informationen. Suchen Sie dabei bewusst nach Fakten, die Ihre eigenen Meinung widerlegen. 


Erkennen Sie die Zeichen der Zeit



Unternehmenskrisen kündigen sich an. Langfristig sind zum Beispiel hohe Abhängigkeiten von nur wenigen Kunden oder ein schlechtes Betriebsklima klare Warnsignale. Mittelfristig weisen unter anderem rückläufige Umsätze deutlich darauf hin, dass Ungemach im Anzug ist.
Alle Anzeichen, die auf eine Unternehmenskrise hindeuten, liegen als Zahl im Unternehmen vor:


  • Anzahl der Kunden

  • Anzahl der Fehltage oder Reklamationen

  • Umsatzentwicklung in den letzten Monaten

  • …



Nehmen Sie sich die Zeit und schauen Sie regelmäßig(!) in Ihre Zahlen. 
Welche „Zeichen der Zeit“ dabei besonders zu beachten sind, lesen Sie hier in Kürze.

Fazit


Selektive Wahrnehmung ist eine unsichtbare Gefahr, aber sie ist keineswegs unausweichlich.

Durch Methoden wie Achtsamkeit und Selbstreflexion, die Bereitschaft, andere Sichtweisen einzubeziehen oder eine kritische Analyse der zur Verfügung stehenden Informationen und der ehrlichen Interpretation der eigenen Zahlen lassen sich Unternehmenskrisen verhindern.

Je mehr Sie Ihre Fähigkeit verbessern, potenzielle Krisen frühzeitig zu erkennen und proaktiv darauf zu reagieren, desto weniger ist Ihr Unternehmen gefährdet.

Die Überwindung selektiver Wahrnehmung ist kein einfacher Prozess, aber es ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem erfolgreichen und widerstandsfähigen Unternehmen.



Lassen Sie mich wissen, wie Sie darüber denken. Ich freue mich auf den Austausch.

Rainer Kratzmann
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